In der Freizeitanlage mit Campingplatz kamen 12 Gebärdensprache benützende Eltern mit ihren hörenden Kindern, aus ganz Österreich angereist, zusammen. Auch eine Mutter mit ihrem Sohn war extra aus Deutschland (Bayern) angereist.
Am ersten Tag gab es genügend Zeit für das Zeltaufschlagen und zum kennen lernen der Familien untereinander, das war sehr angenehm und schön. Viele kannten sich schon und nutzten Zeit für ausgiebige „Schwätzchen“.
Am nächsten Morgen gab es Frühstück in Selbstbedienung, wie es sich eben gehört für ein richtiges Zeltlager. Danach begann der Workshop zum Thema: „CODA (Children Of Deaf Adults – Kinder von Gehörlosen Eltern)“ auf den alle Eltern schon neugierig warteten, um zu erfahren was es mit „CODA“ eigentlich auf sich hat. Den Workshop leiteten Ferdinand „Nando“ Leszecz selbst CODA und Georg Marsh gehörlos. Im Workshop gab es für die Eltern dann wirklich viel Neues und Wissenswertes zum Thema CODA. Es ging vor allem um Themen, welche die Bedürfnisse der eigenen hörenden Kinder betrafen. Was Kinder gerade in ihrer jetzigen Entwicklung und zukünftig für Bedürfnisse haben und was es braucht diese Bedürfnisse zu erkennen. Während des Workshops entstand rasch ein reger Austausch unter den Eltern über mögliche Strategien und Hilfestellungen, damit der Umgang mit den Kindern besser wird.
Während die Eltern im Seminar saßen gab es ein buntes Kinderprogramm. Organisiert von Isabella Rausch und Claudia Bair, selber auch CODA`s und Lena Schramek, gehörlos. Am Programm standen Ausflüge in den Wald, schwimmen, malen und zeichnen, basteln und natürlich spielen... alles in allem ein volles Programm mit 20 Kindern. Nicht zu vergessen sind auch die drei süßen Babys, alle drei nicht mal ein Jahr alt, sie begleiteten ihre Muttis immer zu den Workshops.
Die vielen hungrigen Mäuler mussten aber auch versorgt werden. So gab es zu Mittag dann meistens ausreichend leichtes aus dem Nudeltopf und am Abend von Jürgen Brunner, dem „gehörloses Mann für alles“, leckeres vom Grill. Beim gemeinsamen Abwasch hatten alle auch noch irrsinnig Spaß und es war schön, dass alle zusammen geholfen haben.
Nach drei heißen Tagen hatten wir leider Pech. Ein Unwetter kam über das Kamptal und somit über uns. Aus einem Gewitterregen wurde ganz schnell ein ziemlich heftiges Unwetter. Alle Kinder fanden im stabilen Küchenzelt Unterschlupf, während es die Erwachsenen gerade noch schafften, das Seminar Equipment in Sicherheit zu bringen und die beiden Gemeinschaftszelte so zu sichern, das sie nicht andere Zelte wegrissen. Zwei undichte Zelte zwangen ihre Besitzer zur Übersiedelung in das trockene Matratzenlager des Campingplatzes. Es ist zum Glück weiter nichts passiert, außer das wir alle ziemlich nass wurden.
Am nächsten Morgen halfen dann alle zusammen, um die Schäden der Nacht zu beseitigen. Niemand reiste frühzeitig ab. Auch die neuen stabileren Gemeinschaftszelte, die Georg mit Ferdinand organisieren konnte, mussten aufgestellt werden. Jeder erzählte darüber wie er die Nacht erlebte - es war ein Abenteuer für alle.
Die nächsten Tage verliefen dann wettermäßig ruhiger. Und es gab wieder viel Gebärdenstoff, sowohl in den Workshops als auch an den Abenden. Dank dem Unwetter hatten wir viel übriges Feuerholz und so saßen wir oft bis Mitternacht beim Lagerfeuer. Man spürte die Nähe der Gruppe und in den Gesprächen lag viel schöne visuelle Wärme!
Am Mittwoch machten wir einen Ausflug zur Rosenburg. Dort gab es eine Greifvogel Show. Falken und Geier flogen über unsere Köpfe hinweg und anschließend wurden wir durch die Burg geführt, sehr interessant. Zurück im Camp spielten die Kinder dann in Form eines Theaterstücks in Gebärdensprache die Höhepunkte des Ausflugs nach, und die Eltern sahen gespannt zu. Es war wirklich sehr gelungen.
So verging die Zeit wie im Flug. Den letzten Abend machten die Männer noch einen tollen Scheiterhaufen am Lagerfeuerplatz. Alle staunten über die riesigen lodernden Flammen, die empor stiegen. Es war ein schöner, gemütlicher Abend, aber auch mit etwas Wehmut, denn alle spürten, dass der Abschied naht und die Zeit wieder zu kurz war.
Am nächsten Morgen wurden die Zelte abgebaut und da einige eine lange Autofahrt vor sich hatten mussten sie schon früher abreisen. Die anderen halfen noch mit den MitarbeiterInnen beim aufräumen.
Langsam sah das Camp wieder verlassen aus, aber alle hofften doch sehr, dass es in Zukunft wieder einen Bildungscamp geben wird, denn es war wirklich toll und sehr gelungen. Es hat den Eltern und ihren Kindern geholfen, sich nicht in der Situation als gehörlose Eltern mit hörenden Kindern alleine zu fühlen, neue Informationen und Perspektiven zu bekommen.
Wir danken Bertram Hellermann & Astrid Einramhof für TOLLEN LANGEN CAMPBERICHT 2005!
Förderer
AMT DER NÖ LANDESREGIERUNG
BUNDESMINISTERIUM FÜR SOZIALE SICHERHEIT, GENERATIONEN UND KONSUMENTENSCHUTZ
Sponsoren
LIONS CLUB KREMS
HOTEL ALTHOF RETZ
ABX LOGISTICS
MAUTNER MARKHOF
PRIVATBRAUEREI ZWETTL
FREIWILLIGE FEUERWEHR GFÖHL
PFADFINDER GFÖHL
Partner
CODAUSTRIA